Alles begann mit der banalen Frage, ob ich meine Haare schneiden oder wachsen lassen soll. Entscheidungsschwach wie ich nun mal bin, wollte ich mich in den Segeln von Gott Google treiben lassen und internette Inspiration suchen. Dabei stieß ich auf unzählige Blogs, Foren und Videos von und für Menschen um die Zwanzig. Ich (41) fühlte mich sofort alt. Uralt. Gedanken wie „Hach, so war ich auch mal“ sorgten für Sentimentalität und weckten Erinnerungen an Unbeschwertheit, Naivität und auch Fehler. Die Angst vor Falten, grauen Haaren und Orangenhaut war so unendlich weit weg.
Die Angst, einmal so zu werden wie die Generation davor, ist zum Glück auch gewichen, denn unsere heutige Gesellschaft erlaubt mehr Individualität, mehr Ausbruch und Abweichung. Wenn ich an Frauen über Vierzig denke, dann denke ich an bewundernswerte Frauen in meinem nahen und fernen Bekanntenkreis: Menschen, die engagiert und kultiviert sind, laut denken und laut lachen. Da sind Frauen mit erfülltem Leben und natürlich auch solche mit leerem Leben, aber dem Drang es zu füllen. Ob mit oder ohne Partner, Job, Kind(er) - sie haben sich mit dem vereinbart, was sie (geworden) sind. Ihre Würde ist vielleicht nicht unantastbar, aber unfassbar stark.
"Mit 40 Jahren beginnt ein neuer Lebensabschnitt“, las ich auf irgendeiner Seite im Internet und mir wird langsam klar, wodurch sich dieser auszeichnet: Das Nachdenken ist tiefer und ernsthafter, die Freude an kleinen Dingen intensiver und die Wahrnehmung seiner selbst reflektierter. Es ist egal, ob meine Frisur gerade im Trend liegt, sie muss zu mir passen, auch dann, wenn die Haare dünner oder grau werden. Das Gleiche gilt für Mode, Lifestyle und Verhalten.
Mit 40+ gehören wir immer noch in die werberelevante Zielgruppe (bis 49), wir nutzen Online-Medien, gehen auf Rock-Konzerte und sind sexuell aktiv. Dennoch fiel mir bei spontanen Recherchen auf, dass es - zumindest im deutschsprachigen Raum - keine vernünftige Seite für die "Roaring Forties" gibt. Man tummelt sich mit den jungen Hipsters in sozialen Netzwerken oder geht in "Clärchens Ballhaus" tanzen. Freiheit, die ich meine!
Übrigens: Ob ich meine Haare schneiden oder wachsen lassen soll, weiß ich immer noch nicht ...

Wachsen lassen, dann Iro ;-)
AntwortenLöschenUND bedenke: Wer heute 40 ist, hat mit etwas Glück die körperliche Leistungsfähigkeit, für die man 1950 noch 25 sein musste. Stichworete: Ernährung, Bewegung und wenig bis keine schwere körperliche Arbeit.
Und statistisch gesehen hat man auch noch mehr als die Hälfte vor sich ;-)
wachsen lassen, dito :-)
AntwortenLöschen