Freitag, 18. Mai 2012

Zeichnen!


Ich bin absoluter Fan direkter Demokratie und empfinde öffentliche Petitionen als eine hervorragende Möglichkeit, mitzubestimmen. Gemeinsam etwas bewegen, verändern oder verhindern - das tut gut! Hintergründe und Ziele solcher Aktionen sind in Zeiten sozialer Netzwerke schnell verbreitet und umgesetzt.

Man stimmt gegen ACTA, gegen die Tarifreform der GEMA und gegen die Rentenpflicht für Selbständige.

Aber: Es entsteht auch ein gewisser Druck, ja fast ein Zwang. Wenn du nicht mitzeichnest, bist du ein schlechter Mensch. Wenn du einen Beitrag, der mit dem Befehl "zeichnen!" betitelt ist, mit einem "erledigt!" kommentierst, bist du ein Held. Dieser Eindruck vermittelt sich mir immer öfters. Mal ehrlich: Wer liest sich den gesamten Petitionstext wirklich aufmerksam durch? Wer stellt eigene Recherchen an? So, wie wir AGBs ungelesen mit einem Klick auf "Akzeptieren" bestätigen, so unterschreiben wir auch Online-Petitionen, allerdings mit unseren privaten Daten. Dabei hat man uns doch gelehrt, Unterschriftlisten auf öffentlichen Straßen zu meiden. Die gute alte Datenautobahn sollte da nicht ausgenommen werden, auch wenn die Anlässe wichtig und richtig sind:

Nukesout fordert den Abzug der amerikanischen Atomwaffen aus Europa, Avaaz will die Bienen retten und Berlin braucht Grips.

Zeichnen! Ja, aber bitte vorher informieren und reflektieren.


Freitag, 11. Mai 2012

Bubble Tea


Ich bin ja ein durchaus neugieriger und experimentierfreudiger Mensch. Eine echte eigene Meinung kann ich mir erst bilden bzw. erlauben, wenn ich etwas zumindest einmal angetestet habe.

Nun sprießen ja in letzter Zeit diese Bubble-Tea-Bars aus dem Boden und reizen meine Aufmerksamkeit. Da in meiner Nähe ein neuer Laden aufgemacht hat und zur Zeit 50% Rabatt auf alles gibt, habe ich heute mal mutig zugeschlagen.

© Lisa | liwe-photos Photography
Zur Auswahl standen 56 (!) verschiedene Sorten Tee mit Aromen und Beimischungen (Milch, Joghurt). Dazu gab es eine ebenfalls recht große Anzahl von sogenannten "Toppings". Das waren farbintensive, schleimig aussehend Fruchtmischungen, die angeblich - wie der Name es schon vermuten lässt - "oben drauf" kommen, aber natürlich in Sekundenschnelle auf den Boden sinken, also eher "Drownings" sind. Durch den riesigen Strohhalm kann man die Fruchtstücke später sogar aufsaugen. Meine Erwartungen vor dem ersten Sckluck waren groß, denn ich hielt Bubble Tea immer für erfrischenden Fruchttee mit Kohlensäure, zwar künstlich und überzuckert im Geschmack, aber doch genießbar. Was ich mir nun aber antat, war ein Zuckerschock mit Brechreiz. Dieses Getränk war so widerlich süß und teefremd, gänzlich ohne Kohlensäure und Frischekick. Dagegen ist Billig-Eistee im Tetrapak die reinste Wellness-Oase. Zuhause habe ich mir erstmal eine große Tasse starken schwarzen Tee gemacht und mit dem restlichen Bubblegum-Tee vermengt. Auch wenn ich nur 1,80 € statt 3,30 € für den großen Becher bezahlt habe, aber Lebensmittel wegschmeißen kann und will ich nicht.

Es bleibt mir zwar ein Rätsel, warum sich Bubble Tea so großer Beliebtheit erfreut, aber ich kann in Zukunft locker und wissend lächelnd an jeder dieser bunten Buden vorbei gehen.

Freitag, 4. Mai 2012

re:publica 2012

Vom 2. bis 4. Mai fand in der Berliner "Station" die "re:publica 2012" statt, jene große Konferenz rund um das Web 2.0, also Blogs, Social Media und die Digitale Gesellschaft.

Sie fand bereits zum sechsten Mal statt und ich wollte sie endlich einmal hautnah erleben. Doch aus persönlichen Gründen konnte ich leider nicht teilnehmen und musste mein Ticket verkaufen.

Ich bat den Herrn, der nun statt mir die mehr als 200 Stunden Programm verteilt auf drei Tage und acht Bühnen genießen durfte, um einen Gastbeitrag für meinen Blog und bekam folgendes Statement:
"Die Republica ist irgendwo zwischen familiär, proffessionel und kriminell...."
Damit scheint für ihn alles gesagt und ich frage mich, ob es den 4.000 Teilnehmern und 350 Rednern aus über 30 Ländern ähnlich erging. Das, was ich dazu während der drei Tage in den Medien verfolgt habe, spricht dagegen.

Zur Nachbetrachtung empfehlen möchte ich die Bildergalerie auf Flickr und den 40-Minuten-Film von N24.

Donnerstag, 19. April 2012

Arge Ungerechtigkeit


Vor einigen Monaten hatte ich Ärger mit der ARGE (Arbeitsagentur): Ich bekam an einem Tag acht sogenannte "Vermittlungsvorschläge", also von einem Sachbearbeiter beim JobCenter ausgesuchte Stellen, auf die ich mich bewerben musste. Das waren natürlich alles Stellen in anderen Städten und überhaupt nicht passend. Dennoch bewarb ich mich, hatte ja keine andere Wahl und wollte ja vor allem endlich einen Job. Aber: Ich hatte das Kleingedruckte nicht gelesen und war mir einer 3-Tages-Frist nicht bewusst. So traf mich also kurz darauf die Härte der Sanktion in Form einer Kürzung meiner Bezüge um 30 % für die Dauer von drei Monaten. Mein Vergehen? Ich hatte eine Bewerbung nicht innerhalb von drei Tagen abgeschickt, sondern mir sagenhafte sechs Tage Zeit gelassen. Mein begründeter Widerspruch wurde natürlich als "nicht relevant" abgelehnt.

Wie sieht es aber umgekehrt aus? Wer achtet auf die Rechte und Pflichten der ARGE?

Als ich Anfang des Jahres das Angebot einer ehrenamtlichen (bezahlten) Betätigung bekam, für die ich die Genehmigung des JobCenter benötigte, bat ich mit kurzer Darstellung der Fakten um einen schnellstmöglichen Termin. Wochen später bekam ich stattdessen eine Einladung zu einer Arbeitgeber-Jobbörse, auf der ich mich bei vier Zeitarbeitsfirmen vorstellen musste. Nebenbei bekam ich das OK für die von mir anvisierte ehrenamtliche Stelle, die zwischenzeitlich aber längst besetzt war.

Vor kurzem entschied ich mich für eine Fortbildung, für die ich die Kostenübernahme beim JobCenter beantragte und um einen Termin vor Bewerbungsschluss (15.4.) bat. Erneut bekam ich stattdessen eine Einladung zum Gespräch (inklusive Vorlage meiner Bewerbungsbemühungen), und zwar am 23. April.

Das nennt man dann Arbeitsvermittlung, ja? Das nenne ich Steine in den Weg legen! Das nenne ich Ungerechtigkeit, und das macht mich wütend.

Donnerstag, 12. April 2012

Unterstützung für tolles Filmprojekt


Der engagierte Musiker und Autor Heinz Ratz ist ein (für mich) bewundernswerter Mensch und in seinem politischen Aktionismus ein großes Vorbild:

Mit seinem "Lauf gegen die Kälte" machte er 2008 auf die Not von Wohnungslosen aufmerksam. Mit seiner Band "Strom und Wasser" spielte er in 30 verschiedenen deutschen Städten und sammelte Spenden für soziale Projekte und gegen soziale Härte. Ein Jahr später folgte die sogenannte Schwimmtour "Die Lee(h)re der Flüsse" mit Konzerten in 52 Städten zugunsten regionaler Artenschutzprojekte. Nun steht er in den Startlöchern für "Die Tour der 1.000 Brücken", um seinem "moralischen Triathlon" die Krone aufzusetzen.

Zusammen mit Musikern, die als Flüchtlinge in Deutschland leben und die er während seiner Reisen der letzten Jahre kennengelernt hat, wird Heinz Ratz auf Tour gehen. Die Musik von "The Refugees" bietet die Möglichkeit, das Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik auf eine unerwartete Art und Weise zu behandeln und den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

Der gemeinnützige Verein "autofocus Videowerkstatt e.V." möchte die Tour begleiten und einen dokumentarischen Roadmovie drehen, wofür dringende Unterstützung gebraucht wird. Das Filmprojekt ist bisher nicht finanziert, alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich und unter Rückstellung ihrer Honorare.

Wie kann man helfen?

* Weitersagen, Weiterleiten & Verlinken!
* Auf Facebook Fan werden!
Spenden (auch kleine Beträge helfen weiter)!

Donnerstag, 5. April 2012

Neues Konsummonster


In dem Stadtteil wo ich wohne hat gestern ein neues Shopping-Center aufgemacht. War auch dringend nötig, denn in der Schlossstraße gibt es erst drei solcher Häuser (Schloss, Forum, SSC). Nun also das dritte Konsummonster, welches die Einkaufsmeile im Südwesten der Stadt noch beliebter machen soll: Der Boulevard Berlin.

Bild: Multi Development
In den letzten beiden Jahren wurden bereits die Gehwege verbreitert, damit die Flaneure und erwarteten Besucherströme mehr Platz haben. Auf den nunmehr einspurigen Fahrbahnen drängelt und hupt sich der Verkehr durch. Zwischen Lärm und Essensgestank sitzen die Leute vor den Lokalen und glotzen durch die Gegend. Schön ist anders (jedenfalls für meinen Geschmack).

Im neuen Konsumtempel, welcher das ehemalige Wertheim einschließt und es mit dem neuen Karstadt verbindet, gibt es natürlich die gleichen Geschäfte wie in den anderen drei Häusern, also Mode, Gastronomie und Elektronik - insgesamt 160 Geschäften auf 76.000 Quadratmetern Fläche. Viele dieser Läden gab es früher vereinzelt in der Schlosstraße, jetzt gibt es sie mindestens dreifach und man fragt sich, wie lange diese Konkurrenz gut geht. Noch mehr denke ich mit Traurigkeit an die kleinen Läden in den Seitenstraßen, die mehr denn je ums Überleben kämpfen müssen. Tödliche 390 Millionen Euro hat der Umbau des alten Wertheim-Hauses gekostet. Dass sich für uns Anwohner die Lebensqualität nicht unbedingt verbessert, hat natürlich auch niemanden interessiert.

Mein erster Eindruck vom Boulevard Berlin ist mäßig: Von außen sieht es noch eher hässlich aus, der Eingangsbereich ähnelt dem KaDeWe und das neu erbaute Verbindungsstück dem Hauptbahnhof. Innen wird noch vielerorts gebaut, manche Geschäfte öffnen erst im Sommer oder Herbst, doch schon jetzt verirrt man sich leicht in den seltsam dunklen Gängen. Nun ja, ich fühle mich generell in solchen "Malls" nicht wohl, sondern bevorzuge den kleinen Einzelhandel abseits der Menschenmassen.

Mittwoch, 28. März 2012

kreativ & prekär


Seit dem Buch "Echtleben" von Katja Kullmann ist ein Phänomen in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten, dass schon sehr lange in gewissen Nischen schlummerte: Das kreative Prekariat. Kulturschaffende, die meist als freie Mitarbeiter viel leisten aber schlecht bis gar nicht bezahlt werden, sind oftmals das Salz in der Suppe eines Projekts und können dennoch nicht davon leben. Sie sind gebildet, fleißig und flexibel, aber als "Generation Praktikum" die Verlierer der Wissenschaftsgesellschaft.

Ich spreche aus Erfahrung: Seit 15 Jahre schreibe ich regelmäßig CD- und Buch-Rezensionen, früher für Printmagazine, heute für Online-Magazine. Es waren und sind Non-Profit-Unternehmungen von engagierten Leuten, die selbst kein Geld damit verdienen, also den Unterstützern auch nichts abgeben können. Die gemeinsame Idee und der unerschütterliche Glaube, das Richtige zu tun, waren verbindende und motivierende Elemente. Schnell wurde mir klar, dass ich das Schreiben nicht nur gerne sondern auch gut mache, aber alle Versuche, den Musikjournalismus zum Broterwerb nutzen zu können, scheiterten. Selbst wenn mal ein kleines Zeilenhonorar drin war, kamen keine Folgeaufträge. Doch ich schreibe weiter, kann gar nicht anders, denn es ist meine Berufung, die ich nur nicht zum Beruf machen kann. Da hilft mir auch mein abgeschlossenes Studium nicht.

Dabei habe ich bei genauer Betrachtung einen erfüllten Arbeitstag, einen nine-to-five-Job: Nach dem Frühstück setze ich mich an den Rechner und mache nichts anderes als Angestellte in ihren Büros, also ein Kurzbesuch bei den Sozialen Netzwerken, damit man weiß, womit sich die "Netzgemeinschaft" gerade so thematisch beschäftigt. Dann geht's weiter zu den einschlägigen News-Portalen meiner Bereiche Musik und Literatur. Und schließlich wird gearbeitet: Buch lesen oder CD hören (mehrmals), Notizen machen, recherchieren, Artikel schreiben und selber im CMS publizieren. Danach wird der neue Text möglichst breitflächig beworben und als Beleg verschickt. Wenn nichts Aktuelles anliegt, werden neue Veröffentlichungen gesucht und Promoter oder Verlage angeschrieben.

Selbst wenn ich mich tagsüber mit Leuten treffe, sind das letztendlich Business-Kontakte, denn es geht um Entwicklung neuer Projekte, Besprechung von Konzepten, Beratungsgespräche oder Austausch von beruflichen Erfahrungen. Das ist Arbeitszeit, für die andere gut bezahlt werden, obwohl sie dabei noch zum Essen eingeladen werden. Ein befreundeter Webdesigner sagt immer: "Auch Nachdenken ist Arbeit!" Als Kreativer muss man viel Kopfarbeit leisten und wenn man mal eine halbe Stunde durch den Park spaziert, um eine Idee oder ein Konzept zu durchdenken, um eine Sache mit gewissem Abstand (vom Schreibtisch) zu betrachten, dann ist das kein erholsames Vergnügen.

An manchen Tagen bin ich abends - nach Feierabend, haha - wirklich erschöpft und fühle mich gleichzeitig schlecht, weil ich dafür nicht einen Cent bekomme. Und dann träume ich vom bedingungslosen Grundeinkommen, das für Leute wie mich, für alle verrückten und gutmütigen Schreiber, Webdesigner, Fotografen und sonstige kreativen Opfer ein wahrer Segen wäre.

Mittwoch, 21. März 2012

Dufte!


Jetzt bin auch ich von Frühlingsgefühlen eingefangen und habe mich heute einem wohlriechenden Drogerie-Flash hingegeben: Duschgel und Bodylotion mit Melonenduft, Rasiergel "Summertime", Handcreme "Cocos" und Lippenpflegestift mit Mandarinenduft.


Ja ja, ich weiß, das ist alles böse Chemie, Mädchenzeug und Lockmittel, aber aus Mangel an anderen freudespendenden Ergeignissen gönne ich mir halt mal diese stimmungsaufhellende Ausnahme.

Mittwoch, 14. März 2012

Klickst du noch oder touchst du schon?


Kaum jemand kann sich heute noch vorstellen, dass man Computer früher nur mittels Tastatur bedient hat. Erst mit der Entwicklung grafischer Benutzeroberflächen zog die Maus als Eingabe- und Bedienelement in unsere Arbeitsbereiche ein. Fortan klickten wir uns durch Programme und das weltweite Web. Überall stand dieses verführerische "klicken Sie hier" oder "klicken Sie dort". Jeder helfende Rat enthielt die Zauberformel "klicke auf 'Abbrechen'" oder "klicke auf 'OK'". Klick, klick, klick!

Seit aber immer mehr Menschen Smartphones mit Touchscreen für mobile Anwendungen aller Art verwenden und die Tablet-Geräte allmählich die Laptops ablösen, wird ja nicht mehr geklickt. Wir wischen mit flinken Fingern über die Bildschirme und tippen uns durch Felderwälder. Hat sich diesbezüglich eigentlich schon ein Verb durchgesetzt? Abgeleitet von der ausübenden Tätigkeit und der Eingabemethode müsste es - natürlich in furchtbar eingedeutschtem Englisch - "touchen" heißen, aber das klingt nach "tatschen" und ist vollkommen unsexy. Man stelle sich vor, jemand sagt dann "ich habe auf 'Abbrechen" getoucht". Ich habe auch schon die Verwendung von "tap" und "type" gelesen, oder "slide" für die typische Wischbewegung, aber viel lieber hätte ich ein smartes deutsches Wort für das neue Klicken. Natürlich würde niemand freiwillig "berühren" sagen, bleibt eigentlich nur "tippen". Doch was wird aus uns geläufigen Begriffen wie Doppelklick und Rechtsklick? Doppeltipp und Dauertipp? Selbst die Reiseanleitung "fahren Sie mit dem Mauszeiger über [...]" wird irgendwann verschwinden und spätere Generationen werden uns auslachen. Nun gut, sie tanzten ja seinerzeit auch nicht zu MC Hammers "U Can't Touch This" ...